Die Vertonung von Charlie Chaplins GOLDRAUSCH am 17.4. sollte sein letzter Auftritt bei uns sein ...
Am 1. Juni ist der großartige Musiker Björn Jentsch im Alter von 50 Jahren gestorben. Er hat uns einige wunderbare Abende im Kino MELIES geschenkt. Mit seinen faszinierenden musikalischen Stummfilm-Interpretationen ist er mehrmals bei der KUNST-Gala aufgetreten. Seit fast 10 Jahren hat er den Silent-Movie-Slam und andere Filme beim Stummfilm-festival im LUMIERE begleitet. Und durch seine Buster Keaton-Filmvertonungen ist er in Göttngen fast schon zur Musik-Legende geworden.
Er hatte noch viele Pläne und wird uns allen fehlen.
Auch in diesem Jahr hat uns das Team vom Filmbüro Göttingen wieder auf eine cineastischen Stadtführung mitgenommen. Diesmal waren wir Auf Spurensuche im Industriegebiet Göttingen-Grone unterwegs. Sven Schreivogel und Alexander Siebrecht führten uns auf einem geschichtlichen Spaziergang durch den westlichen Teil des Industriegebiets zu Flugplatz und Filmproduktionsstätten.
Das Industriegebiet hat eine spannende Geschichte aufzuweisen: Ursprünglich Mitte der 1930er-Jahre als Militärflugplatz angelegt, kam es in der Nachkriegszeit zu einer zivilen Umnutzung und zur Ansiedlung größerer Betriebe aus dem verarbeitenden Gewerbe. Auch als bedeutendes Zentrum der deutschen Filmindustrie hatte sich Göttingen mit dem damals noch eigenständigen Grone einen hervorragenden Ruf erarbeitet.






In den 1950er-Jahren war Göttingen ein bedeutendes Zentrum des deutschen Nachkriegsfilms. Das am 21. August 1948
eröffnete Filmatelier – ein umgebauter Flugzeughangar – galt damals als modernster Studiokomplex Deutschlands.
Bis 1961 wurden hier rund 100 Spielfilme hergestellt, darunter die Antikriegs-Filmklassiker Hunde, wollt Ihr ewig leben?
und Nacht fiel über Gotenhafen sowie zahlreiche Heinz-Erhardt-Komödien. Damals war die Filmstadt Göttingen nur
möglich, weil unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs allgemeine Aufbruchsstimmung herrschte und die Stadt
weitestgehend unzerstört geblieben ist. Es gab Infrastruktur, auf deren Grundlage man – im Gegensatz zu anderen
Städten, vor allem den traditionellen Filmmetropolen Berlin und München – schnell wieder aufbauen konnte.
Fünf Jahre lang (2018–2023) war Göttingen auch Tatort-Stadt des Norddeutschen Rundfunks, bis der Rückzug nach
Hannover verkündet wurde.
Das vorliegende Buch umfasst 35 Beiträge von 27 Autorinnen und Autoren. Dabei wird aber nicht nur die Spielfilm-
produktion beleuchtet – in Göttingen war damals auch das größte Zeichentrickstudio beheimatet, jahrzehntelang
das Institut für den Wissenschaftlichen Film, und bis heute gibt es eine enge Verknüpfung des Mediums Film mit
verschiedenen Institutionen der hiesigen Georg-August-Universität. Auch Göttingens Kinogeschichte als
„filmfreudigste Stadt“ der jungen Bundesrepublik und das legendäre Göttinger Filmfest aus den 1980er-Jahren
dürfen hier nicht fehlen.

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Sven Schreivogel (Hg.), Alexander Siebrecht (Hg.) |
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456 Seiten, 170 x 240 mm, zahlr. Abb. 38,– € Bestellung ist möglich über den Schueren-Verlag ISBN 978-3-7410-0493-3 |